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Foto: Christina Kuhaupt für den Weser-Kurier

Turnierbaum

Peter Pfannkoch beim Coachen von Justin Engel

Ein großes Lob an die Platzarbeiter für den hervorragenden Zustand der Plätze!

Ansprache unserer Vorsitzenden der Tennisabteilung Heike Ahrens-Kulenkampff

Deutschland gewinnt ESC in Bremen

Weser-Kurier vom 29.06.2021:

Um die Tennisplätze des Clubs zur Vahr laufen zwei Beamte des Objektschutzes der Polizei. Nicht um bei dem stattfindenden Turnier die Hygienemaßnahmen zu kontrollieren, sondern weil internationale Gäste vor Ort sind: Es findet eine der Qualifikationsrunden der Mannschafts-EM im U 14-Tennis im Rahmen der European Summer Cups statt. Und die israelische Botschaft hat für ihr U 14-Team Personenschutz gefordert. „Das hatten wir so auch noch nie“, sagt Heike Ahrens-Kulenkampff, Vizepräsidentin und Leiterin der Tennisabteilung des Clubs zur Vahr.

In Bremen befinden sich während dieses Turniers, das Sonnabend gestartet ist und an diesem Dienstag ab 10 Uhr mit dem Finale seinen Höhepunkt erreicht, Spieler aus Kro­atien, Estland, Ungarn, Israel, Schweden, Türkei, Dänemark und Norwegen. Und natürlich die deutschen Spieler: Justin Engel, Lieven Mietusch und Max Schönhaus.

„Wir haben momentan eine starke Truppe“, sagt Bundestrainer Peter Pfannkoch. Er ist sehr zufrieden mit den drei Jungs: „Die sind von der Bereitschaft her sehr weit, trainieren gewissenhaft und haben ein gutes Umfeld.“ Der unbedingte Wille mache gerade in diesen jungen Jahren viel aus, findet auch Raik Packeiser, Vizepräsident des DTB und Präsident des Tennisverbands Niedersachsen-Bremen: „In den absoluten Spitzensport zu kommen, hat was mit Willenskraft und auch Leidensfähigkeit zu tun.“ Und das gehe seiner Meinung nach gesamtgesellschaftlich immer mehr verloren: Die Bereitschaft, auch mal über seine eigene Grenzen hinauszugehen, die Zähne zusammenzubeißen und sich zu quälen – „im positiven Sinne“. Immer mehr gingen lieber den Weg des geringeren Widerstandes.

Diese Forderungen gehen ja auch mit einem immensen Druck einher – das ist auch Packeiser bewusst. Gerade auf die mentale Verfassung der Jugendlichen werde im Tennis aber sehr geachtet. Für die jungen ­Talente, vor allem auch für diejenigen aus Bremen und Niedersachsen, gibt es in ­Hannover ein Nachwuchsleistungszentrum, in dem neben den sportlichen Ambitionen auch sehr auf die schulischen und pädagogischen geachtet wird. „Das unterscheidet uns von anderen Nationen“, sagt Packeiser, „wir ­legen viel Wert darauf, dass auch die ­Persönlichkeit ausgebildet wird.“ Denn gerade diese sei auf dem Feld auch wichtig: „Mit welcher Einstellung gehe ich in ein Spiel, wie kann ich mit Schwierigkeiten umgehen, wie fit bin ich mental, welche Leidensfähigkeit habe ich?“, zählt Packeiser als Eigenschaften auf.

Diese Fähigkeiten bringt Justin Engel mit. Der 13-Jährige spielt Tennis, seitdem er drei Jahre alt ist. „Mein Vater hat mich da sehr früh rangeführt, und es hat mir Spaß gemacht, deswegen bin ich dabeigeblieben“, sagt Engel. Der gebürtige Nürnberger ist momentan die nationale Nummer eins, im internationalen Ranking steht er auf Platz 18. Er trainiert jeden Tag, auch am Wochenende, hat wenig Freizeit: „Ich hab nachmittags so eineinhalb Stunden frei und nach dem Abendessen – also schon wenig.“ In seinem Steckbrief steht bei großer Stärke „mental immer voll da“. Laut Packeiser ist das ja eine elementare Stärke.

Und das zeigt sich auch auf dem Feld: Engel wärmt sich in Ruhe auf, scheint auf vor dem Spiel nicht sehr nervös. Dann schlägt er die Bälle mit einer unglaublichen Schnelligkeit knapp übers Netz. Der türkische Gegenspieler, der erste Gegner der Deutschen in dem Turnier, kann kaum mithalten. Auf den Rängen sitzen Mitglieder des Clubs zur Vahr, die einzigen Zuschauer, die unter den Auflagen erlaubt sind, und staunen. Fast nach jedem Ballwechsel klatscht das Publikum Engel zu. Auch Packeiser staunt. „Das sieht man an dem Ballwechsel, wie gut die spielen“, sagt er, „Wenn ich mit denen auf den Platz gehen würde, die würden mich mit 6:0, 6:0 zur Seite fegen.“

Deutschland ist der Favorit der Tage, gefolgt von den Schweden. „Wir sind einen Tick stärker als die meisten hier, aber die Tagesform kann dann schnell auch mal den Unterschied machen“, sagt Trainer Pfannkoch. Dass überhaupt ein Zusammentreffen mehrerer europäischer Länder zustande kommt, scheint gute Laune zu verbreiten. Alle Funktionäre und Spieler sind frisch getestet worden, die große Terrasse des Neubaus des Clubs garantiert eine separate Unterbringung der Teams. „Da können die Spieler essen und sich aufhalten, ohne mit Mitgliedern des Clubs den Weg zu kreuzen“, erklärt Ahrens-Kulenkampff. Es ist die erste größere Veranstaltung, die wieder stattfinden darf - auch für den DTB.

Natürlich macht es für die Spieler auch einen qualitativen Unterschied, international zu spielen: „Es ist schon anders als deutsche Turniere, es ist am ehesten noch wie die deutsche Meisterschaft, da dort die Besten des Landes sind. Hier sind die Besten der Länder“, sagt Justin Engel. Und zwischen den Ländern gebe es nicht mehr so große qualitative Unterschiede wie noch vor 20 oder 30 Jahren, ergänzt Peter Pfannkoch. „Eine Handvoll gute Spieler gibt es fast überall.“ Doch der Bundestrainer bleibt zuversichtlich: „Die Jungs haben eine gute Ranglistenposition.“

Und wie ist das Niveau der Vereine in Bremen? „Wir haben starke Jahrgänge, die nun kommen, auch aus dem Norden“, sagt der Bundestrainer. Natürlich gebe es immer noch ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, im Tennis seien die meisten Bundesliga-Vereine im süddeutschen Raum. Generell sieht er den kommenden Jahren aber positiv entgegen. „Wir haben seit ein paar Jahren einen guten Personalschlüssel, so hat sich die Begleitung verbessert.“ Die Früchte dieser Ernte werden sich in ein paar Jahren zeigen, dann sei Deutschland noch besser aufgestellt, da ist sich Pfannkoch sicher. „Und ich schätze auch, dass da diese Jungs dabei sein werden.“

Von Frieda Ahrens