Hockeynews

Foto: Christina Kuhaupt

Vorstellung unseres neuen Hockeytrainers

Die Abschiedsfeier bei seinem alten Verein war bereits geplant, Mitte März sollte es die große Sause geben. Doch dann kamen Corona und der Lockdown – die Feier fiel aus. Dennis Ströder musste also gehen, ohne Tschüss zu sagen, ein persönlicher Abschied war nicht möglich, "schweren Herzens", sagt er. Was blieb, waren Telefonanrufe oder die eine oder andere Nachricht per Whatsapp. Immerhin hatte er zuvor noch seinen Umzug nach Bremen organisieren und in die Tat umsetzen können, mit helfenden Händen also, bevor die komplette Kontaktsperre ausgerufen wurde. "Das war just in time", sagt Dennis Ströder und atmet tief durch.

Seit 2013 war B-Lizenz-Inhaber Ströder hauptberuflich bei seinem Heimatverein Kahlenberger HTC in Mülheim als Hockeytrainer tätig gewesen. In der Hallensaison hatte er dort zuletzt die Damenmannschaft noch zum Aufstieg in die 1. Regionalliga geführt und die Herrenmannschaft in der zweiten Liga als Co-Trainer unterstützt. Nach all diesen Jahren im westlichen Ruhrgebiet hatte Ströder aber auch mal Lust auf Veränderung verspürt – und zum 1. April 2020 einen unbefristeten Vertrag als hauptamtlicher Trainer für den Damenbereich beim Club zur Vahr in Bremen unterschrieben. Eine Aufgabe, die für ihn "superreizvoll" sei, sagt der 34-Jährige. Er verweist auf das Renommee des Klubs, auf die Klubanlage und die familiäre Struktur, "hier stimmt einfach alles", sagt Ströder.

Voller Vorfreude hatte Dennis Ströder also seinem ersten Arbeitstag entgegengefiebert. Dann kam der 1. April, doch – und das war kein Aprilscherz – fiel nach dem Abschied nun auch der Einstieg aus. Corona-bedingt musste der Klub seine hauptamtlichen Trainer vorübergehend in Kurzarbeit schicken, der Sport- und Trainingsbetrieb ruhte komplett. "Ich fühlte mich echt ausgebremst", sagt Dennis Ströder. Der gebürtige Essener ist aber ein positiv denkender Mensch, in der Coronazeit, sagt er, habe er außerdem gelernt, kreativ zu sein und über neue Herangehensweisen nachzudenken.

Dennis Ströder verlagerte das Kennenlernen mit seinen Spielerinnen kurzerhand auf digitale Kanäle, schließlich war man ja neugierig aufeinander. Es gab Quizabende im Videochat, dazu online auch das eine oder andere Athletiktraining. Dennis Ströder führte außerdem viele Gespräche, Zeit dafür hatte er ja. Gespräche mit den neuen Trainerkollegen Kai-Uwe Stephan und Bernardo Fernandes etwa, mit Amtsvorgänger Nico Stankewitz oder mit den Spielerinnen. Er orientierte sich im Klub und auf der Anlage. Es war ein Kennenlernen abseits des Platzes. Ohne Druck. Ohne Forderungen hinsichtlich Einsatzbereitschaft oder sportlicher Leistung. Man habe das Beste aus der Situation gemacht, "das war alles sehr entspannt", sagt Dennis Ströder, der die freie Zeit auch nutzte, um die Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden. Und er sagt auch: "Ich habe mich gut eingelebt und bin gut angekommen in Bremen." Ihm gefällt die Stadt, "viel Grün, echt schön hier", lautet die kurze Zusammenfassung seiner Eindrücke.

Ströder ist studierter Raumplaner, mit Stadtentwicklung kennt er sich aus. Viel lieber aber setzt er sich planerisch mit Hockey in all seinen Facetten auseinander. Das habe er bereits während seines Studiums gemerkt, sagt er: "Hockeytrainer, das ist es, was ich beruflich machen möchte." Dennis Ströder war früher selbst aktiver Spieler, bis hoch zur Regionalliga hat er es gebracht. Ströder war Stürmer. Seine Herangehensweise sei daher auch eher offensiv, denn er mag offensives Hockey, sagt er. Der 34-Jährige setzt auf frühes Pressing, auf Balleroberung. Wichtig ist ihm aber auch die Arbeit im technischen Bereich, da gäbe es immer noch Kleinigkeiten zu verbessern. "Es geht dabei darum", betont Dennis Ströder, "mehr Werkzeuge in seinem Koffer zu haben."

Gerade im technischen Bereich wurde viel gearbeitet seit der Rückkehr auf den Trainingsplatz. Erst seit die Kontaktsperre im Juni gelockert wurde und ohne Abstand wieder in Kleingruppen gearbeitet werden darf, sind auch Elemente wie Zweikampfführung hinzugekommen. "Wir haben am Anfang sehr darauf geschaut, was man den Spielerinnen an anderen wichtigen Dingen mitgeben kann", sagt Ströder. Inzwischen normalisiere sich der Trainingsbetrieb wieder, inhaltlich stimme die Richtung. Der Trainer sagt: "Die Spielerinnen brennen. Und die kleinen Schritte tun allen gut." Dennoch: Die Hockeypause schmerzt. Auch das hat Dennis Ströder festgestellt. Sein 24 Frauen zählender Spielerkader leide darunter, "allen fehlt es, sich im Wettkampf messen zu können".

Wann Wettkampf wieder erlaubt ist? Ob die ausgesetzte Feldsaison noch in diesem Herbst fortgesetzt werden kann? Ob es im Winter eine Hallensaison geben wird? Dennis Ströder zuckt die Achseln, er möchte nicht den Blick in die Glaskugel bemühen. Es sei schwierig, das zu beantworten, sagt er, "wir fahren auf Sicht und lassen es auf uns zukommen". Auf Sicht: Das heißt im Moment, dass noch bis Mitte Juli trainiert und dann pausiert wird. Weitergehen soll es dann ab dem 4. August, dann startet der Club zur Vahr in die Vorbereitung. Allerdings ohne zu wissen, worauf man sich da genau vorbereitet, sagt Ströder, der beim CzV auch für die weibliche Jugend A und B verantwortlich zeichnet. Umso mehr wird es für ihn als Trainer darauf ankommen, kreativ zu bleiben und den Spaßfaktor hochzuhalten.

Von Frank Büter


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