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Mit Hockey einmal um die Welt

„Sichert zuerst den Ball“, schallt es über das Hockey-Feld. Birte Steigerwald steht mit dem Rücken zum gegnerischen Tor im Kreis und ruft ihren eigenen Hinterleuten Anweisungen zu. „Auf dem Platz hört man mich – immer“, sagt sie selbst. Jetzt nicht mehr. Mit 50 Jahren, nur wenige Wochen vor ihrem 51. Geburtstag, hat sich Birte Steigerwald vom Hockey verabschiedet. Beim Club zur Vahr spielte sie Bundes-, Regional- und zuletzt Verbandsliga mit der zweiten Damenmannschaft.

Mit einer Fachpraxis für Osteopathie hat sie sich vor kurzem selbstständig gemacht und möchte das Risiko einer Verletzung deshalb nicht mehr eingehen. Was folgt, ist der kalte Entzug, denn Hockey war wie eine Droge und bestimmte lange Zeit ihr Leben. Das Adrenalin, wenn sie auf dem Feld stand, das viele Laufen, die Zweikämpfe – das sei es, was das Suchtpotenzial im Hockey ausmache, erzählt sie. Das muss ihr jetzt Tennis geben, denn ganz raus aus dem Sport und dem Club will sie dann doch nicht.

Zum Hockey fand Birte Steigerwald, damals noch Vahland, recht spät. Erst mit 14 kam sie vom Leistungsballett auf den Rasenplatz. 1981 spielten viele ihrer Freundinnen schon beim Club zur Vahr. Weil der Beitrag dort für sie zu hoch war, ging sie zunächst zum HC Horn in die Mädchen A. „Da hatten die Mädchen teilweise schon seit sechs, sieben Jahren zusammengespielt“, erinnert sie sich. Wenn sie mit denen mithalten wollte, musste sie richtig ranklotzen. Das tat sie auch – mit ihrer Freundin Andrea Schmedes und das jeden Tag. „Wir haben auf der Straße gespielt und uns im Laternenlicht die Bälle um die Ohren geschlenzt“, erzählt Birte Steigerwald. Mit viel Biss und Training schaffte sie es beim HC Horn bis in die zweithöchste Spielklasse. Nach fünf Jahren dort begann eine neue Phase in ihrem Leben, als sie eine Ausbildung in Oldenburg begann, Hockey beim HC Delmenhorst und dann eine Zeit lang gar nicht spielte.

Mit 27 wollte sie es noch mal wissen und kam als Leistungsträgerin doch noch zum Club zur Vahr, spielte dann aber erst einmal in der zweiten Mannschaft, um wieder rein zu kommen. Mit Trainer Rainer Brech ging es dann richtig los. „Ihm habe ich alles zu verdanken.“ Er holte die eigentlich für Hockey schon „alte Frau“ in den ersten Kader. Heute sagt die Stürmerin: „Mit 29 Jahren habe ich mein bestes Hockey gespielt.“ Dennoch stieg der Club aus der Bundes- in die Regionalliga ab; die zweite Bundesliga gab es noch nicht. Den Wiederaufstieg griff die Mannschaft mit Brechs Nachfolger Michael Willemsen an, wurde Regionalligameister und fuhr hoch motiviert zum Aufstiegsspiel nach Köln. „Wir haben so hart gearbeitet und sind kläglich gescheitert“, sagt Birte Steigerwald. Sie spielte mit dem Club noch eine Weile in der Regionalliga, stieg Ende der Neunziger aber erneut aus, weil sie schwanger wurde.

Zwei Söhne später packte sie das Fieber wieder und 2004 griff sie erneut zum Schläger. 2008 folgte der Aufstieg in die zweite Bundesliga. „Da war ich 41 und hab mit 16-Jährigen zusammen gespielt“, erzählt sie. Eines der Nachwuchstalente war Katharina Bremer, die noch immer in der Aufstellung der ersten Damen steht. „Irgendwann war der Zeitpunkt erreicht, wo die Trainer jünger waren als ich“, erzählt Birte Steigerwald weiter. Grund zum Aufhören war das aber auch nicht.

Weil ihr Mann beruflich viel unterwegs war, kam an den drei Trainingsabenden ein Babysitter ins Haus und an den Wochenenden mussten die Söhne mit zu den Punktspielen. Vielleicht sei die Hockey-Überdosis in der Kindheit der Grund dafür, dass die Jungs heute nichts mehr mit Mutters Passion zu tun haben wollen, überlegt sie.

„Hockey ist ein Amateursport, für den man sich aufreibt“, sagt die Unternehmerin. Mit ihrem Mann hat sie einmal ausgerechnet, dass sie in ihren ganzen Hockey-Jahren rund 42 000 Kilometer gelaufen ist. Das ist einmal um die Welt und mehr.

Zuletzt ist die Stürmerin wieder mit der zweiten Damenmannschaft des Clubs in der Verbandsliga aufgelaufen. Noch in der vergangenen Saison spielte der Club in einer Spielgemeinschaft mit dem HC Delmenhorst. Inzwischen hat die Nachwuchsarbeit aber Früchte getragen, sodass der Club in dieser Spielzeit genug Spielerinnen hat, um eine eigene zweite Damen-Mannschaft zu stellen. Und mit der möchte Trainer Thomas Walter gern in die Oberliga aufsteigen. Dann allerdings ohne Birte Steigerwald, was ihn auch überraschte, sagt er. Die Entscheidung verstehe er aber.

Ihren – dieses Mal bestimmt endgültigen – Abschied gab Birte Steigerwald in einem Punktspiel ausgerechnet gegen jenen HC Delmenhorst, bei dem sie selbst gespielt hat und mit dem sie noch einiges verbindet. Die Partie ging 7:1 für die Grün-Schwarzen aus. Birte Steigerwald schoss eines der sieben Tore. Dass sie noch einmal trifft, hatte sie so sehr gehofft, und so flossen nach dem Abpfiff die Tränen nicht nur beim Verlierer.

Von Liane Janz


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