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Die Herren des Clubs zur Vahr werden in der Bundesliga auf Spitzenspieler Hinrich Arkenau verzichten müssen, weil er Profiturnieren den Vorzug gibt.

Weser Kurier: Übers Ziel hinausgeschossen

von Heinz Fricke

Bremen.Es war ein ziemlich langer Golf-Tag mit einem sehr späten Happy End. Als sich die letzten Spieler auf dem 18. Grün die Hand reichten, waren es nur noch wenige Minuten bis 20 Uhr – mehr als zwölf Stunden zuvor war der erste Ball beim Saisonstart der ersten Bundesliga abgeschlagen worden. Und die Gastgeber des Clubs zur Vahr hatten auf ihrem Platz in Garlstedt allen Grund zum Feiern: Die Herren Gruppenerster, die Damen mit den letzten Schlägen in den Vierern noch auf den dritten Platz hinter dem GC Hamburg und Berlin-Wannsee vorgerückt – Cheftrainer Chris Webers ordnete den erfolgreichen Tag richtig ein. „Die Damen haben alle Erwartungen erfüllt, die Herren sind sogar übers Ziel hinausgeschossen“, fand er.

Der Deutsche Golf-Verband (DGV) hatte den Saison-Auftakt der Damen und Herren in den Bundesliga-Nordgruppen nach Bremen vergeben, veranstaltete eine offizielle Pressekonferenz, und so wurde am Rande des Turniers auch viel Grundsätzliches zum Golf in Deutschland besprochen. Zwar sind in diesem Sport die Boom-Jahrzehnte gegen Ende des vorigen Jahrhunderts vorbei, doch Fakt ist: „Wir wachsen immer noch, wenn auch nur um knapp ein Prozent“, sagte Markus Neumann, einer der wichtigsten Männer in der DGV-Spitze. Derzeit liegen die Golfer in der DOSB-Rangliste aller Spitzenverbände mit knapp 640 000 Mitgliedern auf Platz acht, deutlich etwa vor Tischtennis, Schwimmen, Basketball oder Volleyball. Im Spitzensport hat der DGV jedoch seit Jahren bis auf Martin Kaymer keinen Spieler in der Weltklasse – ein Manko, das auch Neumann nicht wirklich schlüssig erklären konnte. „Aber hinter Kaymer gibt es rund 20 Spieler, von denen es jeder von heute auf morgen schaffen kann“, versprach Neumann.

Mehr Gutes gab es über die vor einigen Jahren eingeführte Golf-Bundesliga zu berichten. Denn die hat seither eine Erfolgsgeschichte geschrieben, mit immer größerer Resonanz und besseren Leistungen. Und erstmals in diesem Jahr mischt auch der Club zur Vahr gleich zweifach mit: „Es ist der größte Erfolg in unserer über 100-jährigen Vereinsgeschichte, dass wir mit Damen und Herren in der ersten Bundesliga dabei sind“, sagte der Spielführer der Bremer, Axel Ketzer. Nur fünf andere Vereine in Deutschland können Ähnliches vorweisen. Dazu gehören auch der GC Hubbelrath und der GC Berlin-Wannsee, die in Garlstedt am Start waren und deutlich werden ließen, mit welchem Aufwand heutzutage Golf als Leistungssport betrieben wird. „Bei uns sind schon Achtjährige im Leistungstraining“, erzählte etwa Miriam Hiller, die Sport-Chefin aus Berlin, deren Klub im Winter rund 50 Talente auf ein Trainingslager in Spanien einlud.

Beim Club zur Vahr war die Saisonvorbereitung deutlich weniger aufwendig, doch offenbar erfolgreich. Vor allem das Abschneiden der Herren begeisterte die Abteilungsleiterin Katrin Edzard. „In den Vierern haben sie praktisch keinen Fehler gemacht“, sagte sie. In der Tat benötigten die drei in die Wertung gekommenen Bremer Doppel jeweils nur einen Schlag über Par. Und in den Einzeln übertraf Niklas Griffith mit einer 71er-Runde sogar Pro Hinrich Arkenau, der einen Schlag mehr brauchte. Besser als Griffith spielte in Garlstedt nur noch der Hubbelrather Nicolai Dellinghausen, der sogar nach nur 69 Schlägen im Ziel war. Das wäre neuer Platzrekord für Garlstedt gewesen, hätte nicht trotz des Traumwetters am Sonntag eine Sonderregelung gegriffen: Der zur Ruhe gekommene Ball durfte im Bereich einer Schlägerlänge besser gelegt werden. Dann jedoch sind offizielle Platzrekorde noch mehr möglich.

Die Bremer Damen taten sich erwartungsgemäß schwerer als die Herren. Sonstige Leistungsträgerinnen wie Bonnie Flamme und Fenja Rengstorf blieben in den Einzeln mit 81 und 82 Schlägen hinter den Erwartungen. Immerhin schaffte Fenja Rengstorf im Vierer an der Seite der überragenden Einzelspielerin Katharina Hesse eine Par-Runde, während Larissa Stergiou und Bonnie Flamme, sonst im Vierer eine sichere Bank, zehn Schläge mehr benötigten. „Keine Ahnung, was heute los war, es lief einfach nicht“, ärgerte sich Bonnie Flamme.

Wie geht es weiter? Wer vom Erreichen der Bundesliga-Endrunde träumte, wurde von Katrin Edzard und Chris Webers sofort gebremst. „Das Ziel heißt immer noch Klassenerhalt“, betonten beide. Denn keiner weiß, welche Rolle der Heimvorteil diesmal spielte. Zudem müssen die Herren bis zum letzten Spieltag der Saison auf Spitzenspieler Hinrich Arkenau verzichten, der Profiturnieren den Vorzug geben muss. „Aber dafür haben wir mit Meyer und Willenbrok dann zwei neue erfahrene Spieler dabei“, sagte Webers. Und immerhin, es gibt ein gutes Omen: Die Damen müssen in drei Wochen nach Berlin-Gatow, die Herren spielen in Frankfurt. Und wie es der Zufall so will: Es sind genau die beiden Plätze, auf denen im Vorjahr jeweils der Aufstieg glückte.




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