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Einmal Weltmeister, zweimal Olympiasieger: Der niederländische Weltstar Bram Lomans wird Spielertrainer beim Club zur Vahr.

Weser Kurier: Ein Weltstar in der Vahr

von Helge Hommers.

Bremen. Das Tor, das Bram Lomans in der Hockey-Szene auch außerhalb seiner niederländischen Heimat berühmt machte, ist mehr als 20 Jahre später immer noch unvergessen: „Hin und wieder verlinkt jemand das Youtube-Video von dem Treffer auf meiner Facebook-Seite“, sagt Lomans, der damals als 21-Jähriger eine Strafecke in den Winkel schlenzte. Es war ein für ihn typisches Tor, eins von der Sorte, von der er später noch unzählige schießen sollte – zugleich war es der Treffer zum 3:1 im Feldhockey-Finale bei den Olympischen Spielen 1996, bei denen die Niederlande Gold gewannen. Für Lomans war es der erste Höhepunkt einer Weltkarriere, die er zehn Jahre nach dem vorläufigen Ende seiner Laufbahn beim Club zur Vahr fortsetzen wird.

Am Mittwoch gab der Verein die Verpflichtung des 41-Jährigen bekannt, der die Regionalligaauswahl von Cheftrainer Wolfram von Nordeck übernehmen wird. Dessen Vertrag läuft bis Mai, spätestens von da an soll Lomans als Spielertrainer fungieren. Wie seine Rolle zuvor ausfällt, wird in Absprache mit von Nordeck kurzfristig bekannt gegeben. „Wir werden gemeinsam entscheiden, was das Beste für das Team ist“, sagt Lomans, der als einer der besten Eckenschützen aller Zeiten gilt.

Auf einem Hockey-Feld sorgte er erstmals als Zweijähriger für Aufsehen, als er bei einem Spiel auf den Platz stürmte und dem Ball nachjagte. Als 20-Jähriger verließ er seinen Heimatverein in Breda und wechselte zum niederländischen Topklub HGC Wassenaar. Zur gleichen Zeit gab er sein Debüt in der Nationalmannschaft. Die Hoffnung, dass er wenig später für die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta nominiert werden würde, gab er zwischenzeitlich auf. Zwar hatte Lomans bei mehreren Vorbereitungsspielen getroffen, doch weitere Berufungen blieben aus. Aus gutem Grund: „Ich hatte die Trainer bereits überzeugt – was sie mir aber nicht gesagt hatten“, erzählt Lomans.
Im Turnier erhielt er jedoch nur wenig Spielzeit: „In den ersten vier Spielen habe ich nicht einmal den Ball berührt.“ Wegen Verletzungssorgen durfte Lomans aber im abschließenden Vorrundenspiel die kurzen Ecken ausführen und erzielte zwei Tore. Im Halbfinale traf die Niederlande auf Deutschland, und Lomans hatte wieder Anteil am Sieg – wenn auch in anderer Rolle: Er rannte bei den Ecken seines Teams auf den gegnerischen Torwart zu und versperrte ihm die Sicht. Gleich drei Versuche fanden über die Schultern des zwei Meter großen Verteidigers den Weg ins Tor. „Das hatte was von einem Selbstmordkommando und ist heute zu Recht nicht mehr erlaubt“, sagt Lomans.

Im Endspiel gegen Spanien geriet sein Team nach einer Dreiviertelstunde in Rückstand. Doch die favorisierten Niederländer drehten die Partie und erhielten drei Minuten vor Abpfiff eine Ecke. Der damalige Nationaltrainer Roelant Oltmans nahm Lomans zur Seite. „Er sagte mir, dass ich den Ball reinhauen soll – und das habe ich getan“, erzählt Lomans, der nach seinem Treffer mit emporgereckten Armen zu Boden sank und unter einer Traube von jubelnden Mitspielern verschwand.

Vier Jahre später verteidigte die niederländische Auswahl in Sydney ihren Titel. Der Weg zu Gold war jedoch wesentlich schwieriger als zuvor. „Der Druck war groß und wir haben nicht sehr gut gespielt“, erzählt Lomans. Nach dem Finale der Euro Hockey League 2007, das sein Team gegen den Uhlenhorster HC mit 0:1 verlor, beendete er – zumindest vorläufig – seine spielerische Laufbahn. Neben den beiden Olympiasiegen hat der 41-Jährige zwei Weltmeistertitel und viermal die Champions Trophy gewonnen. Es ist ein echter Weltstar, den der CzV nun in seinen Reihen begrüßt.

Der Kontakt zum Regionalligisten kam über das neue Vorstandsmitglied Stefan Gläbe zustande. Er und Lomans hatten sich in Singapur kennengelernt, wo beide beruflich tätig waren. Vergangene Woche rief Gläbe seinen Bekannten an. „Er sagte mir, dass er meine Hilfe brauchen würde. Und da sind wir uns schnell einig geworden“, sagt Lomans, der beim CzV einen Vertrag bis zum Ende der Feld-Rückserie unterschrieben hat. Wenige Stunden nach seiner Ankunft in Bremen lernte er bei seinem ersten Training die neuen, vorwiegend jungen Teamkollegen kennen.

Ein gutes Händchen für Talente hat der 41-Jährige zuvor in seiner Heimat bei Trainingscamps bewiesen, die er für Nachwuchsspieler organisierte. Er trainierte dabei auch den späteren Welthockeyspieler Tobias Hauke, der dreimal hintereinander an den Camps teilnahm. „Es waren viele große Talente dabei, aber Hauke war immer der Beste“, sagt Lomans über den deutschen Nationalspieler und zweimaligen Olympiasieger.

Beim CzV darf man also optimistisch in die Zukunft blicken – wie auch Damen-Bundestrainer Jamilon Mülders in einem Statement bestätigt: „Glückwunsch an den CzV zur Verpflichtung von Bram Lomans. Er ist eine tolle Persönlichkeit auf und neben dem Platz.“

Verstärkung aus Argentinien

Mit einem Heimspiel gegen den Rahlstedter HTC starten die Regionalliga-Herren des Clubs zur Vahr am Sonntag um 15 Uhr in die Feldhockey-Rückserie. Mit nur einem Punkt aus vier Spielen ist der aus der 2. Bundesliga abgestiegene CzV derzeit Vorletzter. Statt wie geplant um den Aufstieg mitzuspielen, geht es für das Team von Trainer Wolfram von Nordeck also um den Klassenerhalt. Neu in der Mannschaft ist neben dem Niederländer Bram Lomans (siehe oben stehenden Artikel) der 33-jährige Santiago Ernesto Arceo. Der Eckenspezialist war zuletzt in der ersten argentinischen Liga aktiv und weilt seit Dienstag in Bremen. Zudem kehrte mit Peter Moralee ein alter Bekannter zum CzV zurück. Erstmals auf dem Feld auflaufen wird der bundesligaerfahrene Julius Krause, der bereits in der Hallen-Saison sein Debüt für die Grün-Weißen gab. Das Team verlassen haben Marvin Busch, der sich dem Bremer Hockey-Club angeschlossen hat, sowie Tom Grobien und Joel Ackermann.

„Bram Lomans ist

eine tolle Persönlichkeit

auf und neben dem Platz.“

Damen-Bundestrainer Jamilon Mülders


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