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Leiten die Geschicke beim Club zur Vahr (von links): Vizepräsidentin Heike Ahrens-Kulenkampff (Tennis), Schatzmeister Andreas Noodt, Katrin Edzard (Golf), Präsident Hans-Dieter Lampe, Carl-Lambert Leisewitz (Hockey), Nadine Krugel (Öffentlichkeitsarbeit) und Geschäftsführer Wolfgang Rummenigge.

Weser Kurier: Country-Club mitten in der Stadt

von Heinz Fricke

Bremen. Das Clubhaus heißt immer noch „Scheune“, und das macht durchaus Sinn. Denn als der Club zur Vahr vor mehr als 100 Jahren gegründet wurde, spielte man in der Vahr auch noch Polo. Und wo standen die Pferde? Natürlich in der „Scheune“, dem heutigen in rustikalem Stil gebauten Clubhaus an der Bürgermeister-Spitta-Allee. Wer das nicht glauben mag: Einige dicke Eisenringe, an denen die Polo-Pferde einst angeleint wurden, erinnern in der „Scheune“
immer noch an vergangene Zeiten.

Doch die Polo-Zeiten sind schon viele Jahrzehnte vorbei, der Club hat sich mit der Zeit ein modernes, zeitgemäßes Gesicht
gegeben. Und ist doch den Traditionen verbunden geblieben, unübersehbar angelehnt an das Vorbild der englischen Country-Clubs, das Wikipedia etwa so definiert: „Der Schwerpunkt liegt oft auf den Sportarten Golf und Tennis, der Club tendiert zu
restriktiven Aufnahmebedingungen und wendet sich an die gesellschaftliche Oberschicht.“

Nun, vor rund einem halben Jahrhundert mag das auf den Club zur Vahr noch ziemlich genau zugetroffen haben, doch seither hat sich vieles verändert. Vor allem die Aufnahmebedingungen. „Wir nehmen nach kurzer Überprüfung durch den Aufnahmeausschuss praktisch jeden auf, damit haben wir seit Jahren keine Probleme mehr. Und wir haben Mitgliedspreise, von denen vor allem Familien enorm profitieren“, sagt Hans-Dieter Lampe, seit drei Jahren Präsident des Clubs. Seine Stellvertreterin Heike Ahrens-Kulenkampff, gleichzeitig die Leiterin der Vahrer Tennis-Abteilung, hat dazu ein anschauliches und zuweilen sogar zutreffendes Bild parat: „Bei uns geht der junge Vater in den Club und meldet seinen Sprössling an, erst anschließend macht er sich auf den Weg zum Standesamt.“ Das mag etwas übertrieben sein, doch Fakt ist: Der Club als zweites Zuhause der Familien, das ist durchaus Realität. „Wenn die Kinder nicht daheim waren, fand man sie in der Regel im Club. Und das beruhigt alle Eltern“, sagt Katrin Edzard, Leiterin der Golf-Abteilung.

Ein Rummenigge stellt die Weichen

Naheliegend, dass die Beitragsstruktur die Familien-Idee unterstützt: Ein Ehepaar zahlt jährlich 1000 Euro Grundbeitrag, alle dazu gehörenden Kinder und Jugendliche zahlen nichts. Erst wenn sie aktiv Golf, Tennis oder Hockey mit den entsprechenden Trainingsunterweisungen spielen wollen,
berechnet der Verein Jugendlichen und Azubis jeweils 160 Euro im Jahr, Erwach­sene zahlen je nach Sparte entsprechend mehr. Doch das Schwimmbad mit einer 25-Meter-Bahn, im Sommer ab 6 Uhr morgens geöffnet, steht allen Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. „Und bei uns lernen die Kinder ganz früh schwimmen“, weiß Geschäftsführer Wolfgang Rummenigge.

Der ältere Bruder des Vorstandsvorsitzenden von Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, stellt seit zehn Jahren in der Vahr die Weichen, hat seither viel bewegt und ist in diesem Jahr besonders gefordert: Der Verein hat große Baupläne, will insgesamt
3,8 Millionen Euro investieren. Zentraler Mittelpunkt wird ein völlig neues Club­gebäude sein mit Dachterrasse, einem
großen Fitnesscenter, Garderobenräumen und Versammlungsraum. Auch die Geschäftsstelle erhält einen neuen Platz. „Wir hoffen, im Winter den Abriss komplett hinzu­kriegen. Baubeginn wäre dann im Frühjahr 2018, Ende 2018 wollen wir fertig sein“, umreißt der 61-Jährige das Konzept. Und Präsident Hans-Dieter Lampe ergänzt: „Das
alles ist auch ein Vorgriff auf die Zukunft, wir bauen vor allem für die nächsten Generationen.“

Denn die derzeit 3800 Mitglieder können sich über die aktuellen Gegebenheiten keineswegs beklagen. Mitten in der Stadt zwischen Schwachhausen und der Vahr eine vereinseigene Anlage von insgesamt 30 Hektar Grundfläche zu besitzen – das ist
nahezu einmalig in Deutschland. Den größten Raum nimmt verständlicherweise der Neun-Loch-Golfplatz ein, den die Mitglieder mehrheitlich nutzen. Denn zum einen ist er sportlich durchaus anspruchsvoll, zum anderen scheuen viele doch den Weg zur 18-Loch-Anlage des Vereins im niedersächsischen Garlstedt. Obwohl Garlstedt immer noch als eine der attraktivsten Anlagen in Deutschland gilt.

Golf ist mit 1600 Mitgliedern die größte Abteilung des Vereins, wenngleich Katrin Edzard weiß: „Regelmäßig spielen nur noch rund 700.“ Golf steht auch leistungsmäßig ganz vorne im Verein. Vor einem knappen Jahrzehnt entschied sich die Abteilung zu einem völlig neuen Leistungskonzept, das seither von Jahr zu Jahr mehr Früchte trägt. 2016 stiegen Damen und Herren in die
erste Bundesliga auf, der Saisonstart am
7. Mai war bereits sehr vielversprechend.

Doch auch im Tennis und Hockey hat man sich für eine angemessene Förderung des Leistungssports entschieden, die der Vorstand ungefähr so formuliert: „Wir kaufen grundsätzlich keine Spieler. Aber wir bieten Trainings- und Spielbedingungen, die dafür sorgen, dass sich viele für uns entscheiden.“ Insgesamt fünf Trainer kümmern sich um die 680 Mitglieder der Tennis-Abteilung, deren Herren in der Regionalliga spielen, die Damen kämpfen in der Nord­liga. Im Sommer stehen allen Aktiven zwölf Ascheplätze zur Verfügung, auch das Winter-Angebot ist überdurchschnittlich: Zwei Hallenplätze mit Teppichboden, drei Freiplätze werden zudem mit Tragluftzelten überdacht und stehen so auch zur Verfügung. Noch höher hinaus möchte man im Hockey. Die Herren spielen drittklassig
(Regionalliga), die Damen noch eine Etage tiefer in der Oberliga. Der frühere holländische Weltmeister Bram Lomans wurde jetzt als Spielertrainer verpflichtet, er soll die Herrenmannschaft mittelfristig in die 2. Bundesliga führen.

Tontaubenschützen schießen fremd

Und dann hat der Verein noch eine vierte Abteilung, deren rund 50 Mitglieder im Club nur zufällig anzutreffen sind. Denn die
Tontaubenschützen visieren im niedersächsischen Waakhausen die kleinen fliegenden Scheiben an, sie sind quasi Untermieter auf dem Schießstand des Jagd- und Wurf­taubenclubs Osterholz, zu akzeptablem
Bedingungen. „Wir zahlen pro Runde zwischen 4,50 und acht Euro, je nach Disziplin“, sagt der Vorsitzende Christian Klemeyer. Leistungssport und Wettkämpfe mit anderen Vereinen betreiben sie nicht, sie bewegt nur der Spaß an der Freud, sprich dem Tontaubenschießen. Das allerdings seit rund einem Jahrhundert. Genaueres weiß man nicht, nur soviel: „In den ersten Chroniken des Vereins tauchen schon die Tontaubenschützen auf“, sagt Klemeyer. Womit auch belegt ist: Die britische Tradition eines Country-Clubs, sie hat beim Club zur Vahr auch wegen der Tontaubenschützen noch Bestand.

Wie ist der Verein aufgestellt? Was bietet er sportlich an? Wo drückt der Schuh? Wie ist sein Umfeld? Fragen, die jeder der insgesamt 407 Sportvereine beantworten kann, die im Landesssportbund erfasst sind. Wir haben uns bei den größten Vereinen umgesehen und stellen sie in einer Serie vor.

Die größten Bremer Sportvereine

     1. SV Werder Bremen 17 888

    2. Bremen 1860 5478

    3. Landesbetriebssportverband 4175

    4. Alpenverein Sektion Bremen 3897

    5. TV Eiche Horn 3595

    6. Bremer Ski-Club 3282

    7. SG Findorff 3018

    8. Tura Bremen 2372

    9. Club zur Vahr 2261

10. TSV Lesum-Burgdamm 2254

11. TuS Huchting 2222

12. TuS Komet Arsten 2164

13. SV Grambke-Oslebshausen 2118

14. SG Arbergen-Mahndorf 2044


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