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"Ich hab so ein Glück gehabt"

Ein Tag, an dem sie besonders dankbar ist. Den Ärzten, die sie operiert haben und der Familie eines verunglückten 18-Jährigen, die es ermöglicht hat, dass sie mithilfe eines Spenderherzens weiterleben darf. Es ist der 8. Juni 2005, an dem ihr dieses Herz eingesetzt wird. Zwölf Jahre alt ist die Bremerin damals.

Heute führt sie ein ganz normales, ein gesundes Leben. Und sie beweist, wie sie dank der Fortschritte in der Transplantationsmedizin sogar körperliche Höchstleistungen vollbringt. Chantal Bausch ist Sportlerin aus Leidenschaft: Für die Hockey-Damen des Clubs zur Vahr steht sie im Tor, sie spielt außerdem Golf und Tennis, sie fährt Ski – und sie nimmt regelmäßig an deutschen und internationalen Meisterschaften für Transplantierte teil. Bei den World Transplant Games vom 25. Juni bis 2. Juli in Malaga stand sie gleich drei Mal mit Gold, Silber und Bronze auf dem Treppchen.

„Ich habe so ein Glück gehabt“, sagte Chantal Bausch dem WESER-KURIER in einem Interview. Damit meint sie ihre sportlichen Erfolge, vor allem aber, dass es ihr mit ihrem Spenderherzen so gut geht. Der Sport sei ihr immer schon wichtig gewesen, seit der Transplantation sei er jedoch noch auf einer anderen Ebene zu einer Herzensangelegenheit geworden. „Ich möchte zeigen, was durch eine Transplantation wieder möglich ist, dass ich wieder ein ganz normales Leben führen kann.“ Diese Botschaft richtet sie an Transplantierte, sie will aber auch andere Menschen dazu anstoßen, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen und eine Entscheidung zu treffen. „Eine persönliche Geschichte und ein Gesicht wirken dabei oft eindringlicher“, sagte die Bremerin. Hintergrund ist, dass es viel zu wenige Spenderorgane – Herzen, aber auch Nieren und andere Organe – für schwerkranke Menschen gibt, die auf der Warteliste stehen.

Chantal Bausch geht mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit, um darauf aufmerksam zu machen. Diese Geschichte beginnt etwa ein Jahr vor der Transplantation, als bei ihr eine Herzmuskelentzündung festgestellt wird, die ihr Herz irreparabel schädigt. Als ihr Herz kurz vor dem Versagen steht, muss ihr in einer Notoperation im Deutschen Herzzentrum in Berlin ein Kunstherz eingesetzt werden. Es übernimmt die Arbeit des eigenen, kranken Herzens. Alle zwei Stunden müssen die Akkus an dem externen Gerät ausgetauscht werden. Die Bremerin steht zwar mit dem Vermerk „High Urgency“ – höchste Dringlichkeit – auf der Warteliste für ein Spenderherz. Wie lange es aber bis zur Transplantation dauern wird, weiß zu dem Zeitpunkt niemand.

Am 8. Juni 2005 ist es soweit. Chantal Bausch bekommt ein Herz. Zwölf Jahre ist das jetzt her.

Von Sabine Doll


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